Vorträge

Auditorium

Das Auditorium bietet Platz für informative Vorträge und Diskussionsrunden rund um das Thema Reenactment in seinen zahlreichen Facetten. Das Vortragsangebot wurde in Kooperation mit dem Geschichtsverein Kassel erstellt. 

Die Vorträge sind für alle Besucher ohne Anmeldung zugänglich und finden im Vortragssaal im ersten Stock statt, welcher über die Treppe zwischen den Hallen 2 und 3 zugänglich ist. Bitte beachtet die Zeiten der Vorträge und kommt pünktlich zum Beginn, um laufende Vorträge nicht zu stören. 

Hier seht ihr das diesjährige Programm:

Vorträge Samstag

11 Uhr: Das Schwert. Realität hinter dem Mythos.

Vortrag von Janis Siedentopf
Samstag 11:00-12:00

Das Schwert. Kaum ein Gegenstand hat unsere Kultur auf ähnliche Weise beeinflusst.
Von Haupt über Balmung, Excalibur und Durendal bis hin zu Anduril, Blackfyre und Lichtschwertern, findet es sich als zentrales Element in Geschichten, Sagen und Legenden. Doch was ist die Realität hinter dem Mythos? Was war die Rolle des Schwertes als Werkzeug und wie wurde es tatsächlich benutzt? Diesen Fragen wollen wir uns in unserem Vortrag widmen und uns dazu Texte und Bilder des Mittelalters und der Neuzeit ansehen. Begleitet uns auf eine Reise in eine Zeit, in der das Schwert mehr war als ein Mythos.

Vortrag von Julian Decker
Samstag 12:00-13:00

Aus einem Fragment auf das ganze Objekt zu schließen und daraus auf die Herstellungstechnik und Funktion zu kommen ist ein zentraler Bestandteil archäologischer Forschung. Wie das funktioniert, welche Fehler hier passieren können und wo die experimentelle Archäologie als Feedback und Korrekturschlaufe sinnvoll ist, wird hier anhand von Beispielen aus dem 19.Jh. bis heute erklärt.

Vortrag von Johannes Faget
Samstag 13:00-14:00

Der Vortrag zeichnet die Entwicklung historischer Stadtfeste und Mittelalterveranstaltungen nach und fragt kritisch nach ihren Bildern von Geschichte: zwischen Erinnerungskultur, historischer Darstellung, populärer Epochenimagination und moderner Eventkultur.

Vortrag von Peter Lutz
Samstag 14:00-15:00

Natürlich ist auch die mittelalterliche Küche nicht frei von Falschinformationen, die sich hartnäckig halten wie ein ausgekauter Kaugummi am Schuh. Manche dieser Aussagen sind leicht widerlegbar, wenn man ein wenig nachdenkt, andere widersprechen sich diametral, doch manche erkennt man nicht sofort. Auf der Suche nach den Ursprüngen solcher Mythen braucht man nicht weit zurückgehen, um sie zu finden. Bei anderen sucht man lange vergebens, falls man überhaupt fündig wird.

In seinem Vortrag stellt Peter Lutz einige dieser Mythen und Legenden vor und wird sie entsprechend widerlegen. Er wirft aber auch ungeklärte Fragen auf, die ihn schon lange beschäftigen und die auch das Arbeiten mit Geschichte unheimlich spannend machen.

Vortrag von Jürgen Fischer
Samstag 15:00-16:00

Mehr als 1.000 Akteure und mehr als 10.000 Gäste: 1598 lädt Landgraf Moritz von Hessen-Kassel die Fürstenhöfe Europas zur Kindstaufe seiner Tochter Elisabeth in die Residenzstadt ein. Die Patenschaft übernimmt Königin Elisabeth I. von England. Mit aufwändigen Inszenierungen und kostspieligen Feierlichkeiten präsentiert Moritz den Rang seines Hofes im europäischen Fürstenkonzert. Die mehrtägigen Ritterspiele gehören zu den letzten mittelalterlichen Turnieren Europas. Der Kupferstecher, Landvermesser und Historiker Wilhelm Dilich dokumentiert die spektakulären Turniere und „Inventionen“ in einem prachtvollen, reich illustrierten Band. Zahlreiche altkolorierte Kupferstiche geben Einblick in Planung und Ablauf der Festlichkeiten. Im Vortrag werden Abbildungen aus der Faksimile-Ausgabe von 1986 gezeigt. Plakate informieren ergänzend über Schauplätze und historische wie heutige Stadtansichten.

Vortrag von Elke Osterhaus
Samstag 16:00-17:00

Historisches Handwerk ist weit mehr als Dekoration: Es macht vergangene Lebenswelten anschaulich, verständlich und unmittelbar erlebbar. Doch auf vielen Mittelalterveranstaltungen sind arbeitende Werkstätten selten geworden. Was unterscheidet eine überzeugende Handwerkerdarstellung von einem reinen Verkaufsstand? Welche Qualitätskriterien gelten für Ausstattung, Arbeitsweise, Vermittlung und historischen Bezug?

Der Vortrag beleuchtet zugleich, warum gute Handwerksdarstellungen zunehmend verschwinden: Nur wenige beherrschen die alten Techniken, Verkaufserlöse allein sichern kaum den Lebensunterhalt, und notwendige Gagen fehlen häufig. Als Best-Practice-Beispiel zeigt Ars Vivendi e.V., wie Handwerk durch Weiterbildung, Werkstattprojekte, Zusammenarbeit und vielfältige Präsentationsformen bewahrt und wieder sichtbar gemacht werden kann – damit historisches Handwerk auch künftig nicht nur ausgestellt, sondern tatsächlich erlebt wird.

Vortrag von Johannes Faget
Samstag 17:00-18:00

Historische Feste boomen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa – von traditionsreichen Veranstaltungen über Fantasy-Larp bis zum Reenactment und Living history. Johannes F. Faget nimmt das Publikum mit auf eine bildreiche Reise durch die Festkulturen Italiens, Frankreichs, Portugals, der Niederlande und der Ukraine. Ausgewählte Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Geschichte inszeniert, vermittelt und erlebbar gemacht wird. Im Mittelpunkt steht das Netzwerk der „Conféderation Européenne des fêtes et manifestations historique“, das seit mehr als 30 Jahren den europäischen Kultur- und Wissensaustausch sowie gemeinsames Marketing fördert. Erfahrungsberichte von Reisen mit Akteuren aus Handwerk, Handel und Kultur vermitteln praxisnahe Einblicke. Darüber hinaus beleuchtet der Vortrag Chancen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und EU-Förderprogramme wie Culture Moves Europe.

Eine unterhaltsame Reise durch Europas vielfältige historische Festszene. 

Vortrag von Sebastian Roth
Samstag 18:00-19:00

Bögen, Armbrüste, Handfeuerwaffen und erste Kanonen sind die Fernkampfwaffen des Mittelalters. Hier blickt ihr hinter die Funktionsweisen und hinterfragt gemeinsam die Mythen und Legenden, die sich um diese speziellen Waffengattungen ranken.

Vorträge Sonntag

11 Uhr: Mehr als nur Blechrüstungen: Auf den Spuren des mittelalterlichen Heeres

Vortrag von Sebastian Roth
Sonntag 11:00-12:00

Ohne Ritter wurde lange Zeit im Mittelalter keine Schlacht gewonnen. Warum war das so? Welchen Anteil hatten auch die weiteren Gruppen in einem mittelalterlichen Heer? Gespickt mit Wissen und ein wenig Humor begleitet ihr als Zuschauer uns durch die verschiedenen Aufgaben und „Waffengattungen“ eines hoch- bis spätmittelalterlichen Heeres. Auch das „Verschwinden“ der Ritter klären wir hier gemeinsam.

Vortrag von Brigitte Meister
Sonntag 12:00-13:00

Woher kamen Beginen, wie waren sie organisiert, wie gestaltete sich ihr Leben und wo standen sie in der kirchlichen Hierarchie? Diese Fragen werden hier beantwortet und ihr erfahrt, was in der Zwischenzeit bis heute mit den Beginen geschah.

Vortrag von André Busche
Sonntag, 13:00-15:00

Das deutsche Waffengesetz gilt als eines der strengsten weltweit. Seit Ende 2024 sind sogar sämtliche Messer von Verbotsregelungen erfasst, insbesondere das Mitführen auf öffentlichen Veranstaltungen, wozu auch Messen oder historische Stadtfeste zählen. Zwei Interessen prallen hier aufeinander: Die öffentliche Sicherheit und das kulturhistorische Brauchtum. Zwei unversöhnliche Interessen? Die Antwort erfordert einen Blick in das maßgebliche Gesetz, das das Führen von Waffen und Messern regelt. Und wie es mit Gesetzen nun einmal ist: Mit jeder Ergänzung leidet die Lesbarkeit und Verständlichkeit – und damit auch die korrekte Anwendung.

In seinem Vortrag wird André Busche, Waffensachverständiger und Lehrbeauftragter für Waffenrecht an der Universität Kiel und im Fachbereich Polizei der Verwaltungsfachhochschule Schleswig-Holstein, die tatsächliche Gesetzeslage erläutern, fernab von Mythen und beliebten Fehldeutungen. Er erläutert Grundbegriffe, arbeitet die gesetzgeberischen Intentionen heraus und verschafft den Zuhörerinnen und Zuhörern das erforderliche Rüstzeug, um insbesondere bei der Planung von Veranstaltungen die Möglichkeiten und Grenzen behördlicher Spielräume in eigene Überlegungen einzubeziehen.

Vortrag von Sebastian Roth
Sonntag 15:00-16:00

Ritter faszinieren Kinder – Doch was macht einen Ritter zu einem Ritter und was hat dieser Kämpfer so alles an? Wir werfen mit euch einen Blick auf Rüstung, Beweglichkeit und auch auf das, was man sonst so nicht direkt sehen kann.

Vortrag von Jonas Schmidt
Sonntag 16:00-17:00

Was können Mittelalterfeste und historische Erlebniswelten zur Bildung für nachhaltige Entwicklung beitragen? Der Vortrag zeigt, wie das aktive Nacherleben von Geschichte, informelles Lernen, Identitätsbildung und nachhaltiges Denken fördern kann – und welches Potenzial darin steckt, mit praktischem Wissen aus der Vergangenheit die Zukunft zu gestalten.